In einem anderen Land


 

In einem anderen Land (by Gültekin Cakmak)


Berlin, diese Hauptstadt ist in mannigfaltiger Betrachtung eine Überraschung. Ja ich gestehe sogar, dass sie die Empfindung geben kann, auf dem neuen Kontinent, mit der deutschen Kultur schnell bekannt zu sein. Ferner zeigt sie die Fähigkeit, das beispiellose Leben einladend anzubieten und mitreißend teilhaben zu lassen. Die eingehenden und namenlosen Dinge erscheinen dem Herzen, dem Betrachter, seit dem ersten Tag Zutrauen erweckend und beleben das allgemeine Interesse, das in jeden von uns schlummert. Als Fremdenführerin hätte sich keine bessere finden können als meine nun neue Muse Beatrice: ihre freundliche, für Berlin typisch offene Art, eröffnet ganz neue Welten. Die Berliner an sich sind frei und ein lustiges Völkchen, die jeden mit offenen Armen Willkommen heißen, die Meisten zumindest. Tatsächlich entspricht Beatrice allen Erwartungen, die ich bisher hatte: nicht deutsch oder typisch europäisch zu sein, ja ich könnte sagen, sie hat das Zauberhafte, das in allen guten Menschen dieser Welt, auf der ganzen Erde heimisch ist: Das Talent für Herzlichkeit.
Seit einigen Tagen sind wir von Morgens bis tief in die Nacht in Bewegung, was ich noch nicht gesehen habe suchen wir auf. Die typisch Berliner Wohnblöcke mit teils kleinen oder großen Innenhöfen, die ineinander und aneinander stehen, bedecken die gesamte Stadtfläche. Den Betrachter erwartet ein genügsamer und doch aufregender Ort, den die Anwohner mit lebhafter Kreativität in ein stilles Paradies verwandelt haben. Zumeist werden sie mit heimischen Pflanzen und Bäumen verschönert, mit Sitzplätzen und Tischen ausgestattet, sodass bei gutem Wetter die Anwohner beieinander sitzen können. In der Begegnung ist man freundschaftlich und recht vergnügt und hilfsbereit. Die Häuser aus dem letzten Jahrhundert zeigen sich uns in alten Fassaden und restaurierten Farben, als seien sie vor einigen Wochen ausgeführt worden. Die Häuser und Straßen jedoch, die nicht bewohnt und traurig in den Reihen stehen, befinden sich in dürftigen Zuständen, da sie seid dem Fall der Berliner Mauer oder von dessen Besitzern vergessen oder nicht beachtet werden. Das Auffallende aber ist, dass die Stadtteile hie und da auf etwas Kleinstädtisches deuten, da die meisten Einwohner in den eigenen Stadtteilen bleiben und das Nötigste für den Alltag finden. Im Eigenheim mögen es die Deutschen eher bescheiden, indivduell, nach Geschmack, ja fast spartanisch ausgestattet.
Seit der Wiedervereinigung ist die ehemals geteilte Hauptstadt eine Begegnungsstätte kreativer Ideen und dem Tatendrang wird von allen Seiten Beifall geleistet. Aus dieser anhaltend und allgemein herrschenden Atmosphäre und mit der nötigen Zuversicht Einzelner entstehen neue Hoffnungen, die in der Kunst, Politik und Philosophie aufblühen und sich als neue Ideale, als neue Tugenden im ganzen Land verstreut sehen. Ja vielleicht sogar für die spätere Zukunft des gesamten Kontinents von Vorteil sind, denn die Einheit von Ost- und Westdeutschland hat die deutschen Herzen vereint und dies hat dem europäischen Kontinent durchgehend neues Leben eingehaucht. Die Berliner sind sich indessen einig und es ist in aller Munde, dass die zwanziger Jahre des einundzwanzigsten Jahrhunderts, die zweite goldene, die wiedergeborenen Zwanziger sind, in der sie die Zusammengehörigkeit des europäischen Kontinents zugestehen und im Anfang des dritten Jahrtausend den allgemeinen Weltfrieden gesichert sehen möchten.
Von den Stadtbewohnern, von der Nation wüsste ich nichts zu sagen, als dass es Naturmenschen sind, die unter der Pracht des Landes nicht ein Haar anders sind, als sie es sonst auch wären. Es muss hinzugefügt sein, dass die hier ausgeübten Religionen, die dahin gelangen mussten, ihren Kultus oder ihre Spekulationen auszudehnen, zuletzt gezwungen sind auf friedliche Weise miteinander auszuhalten und zu leben. So sind Christen, Juden und Muslime im engsten Raum zusammengedrängt, zeugen Respekt und zeigen gegenseitiges Verständnis. Was den Fremden auffällt und was heute wieder die ganze Stadt reden, aber nur reden macht, sind die fremdenfeindlichen Angriffe, die gewöhnlich in allen Stadtteilen vorkommen, und ich meine, dass sie in allen großen Weltstädten gegenwärtig sind.
Das gut durchdachte System in der Praxis und auf dem Papier, ist uns in allen Stadtteilen gegenwärtig und beweist festgelegte Organisation bis ins kleinste Detail. Die verbindlichen Gesetze oder Vorschriften werden von der Stadtverwaltung erlassen und ohne Begünstigung und Parteilichkeit durchgesetzt. Bestechlichkeit oder Korruption ist hier nicht existent. Mit bemühter Ausdauer und größter Sorgfalt werden die Einzelheiten behandelt, die teilweise Bewunderung auslöst oder bedauerlich ist. Die Polizei ist friedlich im Umgang und besitzt höfliche Entschlossenheit, ja sie gilt als außergewöhnlich freundlich. Die Feuerwehr ist uniformiert und im Auftreten feierlich. Die Sanitäts- oder Krankenhilfe schnell und zuverlässig. Dies alles hat mich sehr beeindruckt. Berlin ist eine Welt und man braucht Jahre, um sich erst drinnen gewahr zu werden. Es existiert nichts Vergebliches oder Leeres, welches hier unmöglich wäre, es ist alles unterrichtend und bedeutend, wenn sich die Gegensätze friedlich beieinander finden.
Endlich bestiegen wir den Berliner Fernsehturm. Nahe vor uns die ganze Stadt in ihrer Breite und Weite, unendlich viele Häuser, grüne Plätze, Hügel oder Kirchen. Auch finden sich aller Orten und Enden herrliche Sachen, von denen nicht so viel Redens ist, die nicht auf Postkarten oder Nachbildungen in die Welt gestreut sind. Bei dem Anblick der Kostbarkeiten reinigt und entscheidet sich das innere Bild, und nun erst kann das Gemüt die zerstreuten Stadtteile überschauen und sich mit gelassener Anteilnahme dem ganzen Stadtbild entgegen heben.Die Straßen der deutschen Hauptstadt sind eigentümlich und großzügig angelegt, es heißt, Berlin ist die Hauptstadt der breiten Straßen. Sie werden von der Stadtverwaltung in Stand gesetzt und täglich sauber gehalten. In allen Staddtteilen haben zahlose Kunstepochen das Seinige hinzugefügt und ganz gut sind jene Bauten oder Brücken, die in der klassischen Zeit, im Zeitalter der Aufklärung entstanden sind, als die Europäer und die Deutschen aufstanden ihre Wurzel zu finden und  das Gefundene schliesslich in Stein und Bild, für die gegenwärtige Kunst verewigten. So steht die ganze Stadt des Abends im Schweinwerfer Licht. Fassaden, Denkmäler, Kirchen sind hell beleuchtet und in dieser Dunkelheit ist uns allen der Anblick der Kunstepochen, ein kleines Abbild des leuchtenden Sternenhimmels. Man sieht auf beiden Seiten der Straßen eine leuchtende Prozession der Lichterketten, die sich in der Dunkelheit der Nacht verlieren und das Leuchtende im Schatten ist ein lebhaftes Schauspiel, stattlich, eindrucksvoll und in allen Teilen schön. „Ja, Berlin ist jedem zu empfehlen“, wird Beatrice nie müde zu sagen und dem kann ich mit ganzem Herzen zustimmen.
Nachdem wir alles betrachtet und verinnerlicht hatten, gingen wir leichten Fußes „Unter den Linden“ spazieren und jeder Schritt bietet dem Künstler die herrlichsten Gegenstände: Hier steht das Rathaus, der Hauptsitz des Bürgermeisters, das aus der Nähe zu bewundern und für das Stadtbild, für die Stadtgeschichte von Bedeutung ist, oder der Berliner Dom mit halbrunder Kuppel und vier kleinen Türmen, mit steinernen Heiligen,  Spielereien und Zieraten, an den Außenwänden, die die Blicke des Betrachters anziehen möchten. Ja es ist eine ehrwürdige Stätte  von himmlischen und irdischen Sphären und als Gotteshaus ein geschmackvoller Blickfang. Die Innenwände sind mit Bildern und Motiven aus der Bibel ausgemalt und der Innenraum gänzlich in Gold dekoriert und ausgeschlagen. Die Insel der Museen sind allesamt als Säulenhallen in altgriechischem Baustil ausgeführt und sind eines der bedeutenden Anziehungspunkte für Einheimische und Fremde. Berühmte Schätze aus der Antike bis in die Neuzeit sind für Jeden zugänglich und sehr häufig besucht. Die Humboldt-Universität, das Opernhaus und die anstehenden Gebäude sind gut durchdacht und bilden aneinandergereiht bis zum Brandenburger Tor ein lückenloses Ganzes. Unmittelbar vor dem „Brandenburger Tor“ breitet sich der allseits beliebte Pariser Platz zu allen Seiten aus und gilt als das Wahrzeichen der Hauptstadt Berlin. Ich konnte nur sehen und anstaunen, hier lebten zu frühen Zeiten die Vornehmen und heute stehen hier die Botschaften europäischer Nachbarstaaten und die Akademie der Künste.
Der Karneval der Kulturen oder die bekannte Loveparade, ist ein tolles Spektakel und allenfalls unterhaltend. Das muss man gesehen haben, um den Wunsch völlig los zu werden, es je wieder zu sehen. Die Loveparade ist eine tanzende Autokarawane, die sich vom Brandenburger Tor, entlang des 17ten Juni, bis zum Ernst-Reuter Platz hinaus zögert und fortbewegt und alle Menschen lachend und tanzenden zusammen finden. In der Mitte ist ein kreisrunder Platz mit der Säule und einem Siegesengel auf der Spitze, der mit einem Lorbeer Kranz in den Händen, scheinbar die tanzende Menge mit himmlischen Kräften segnen möchte. Ja, der Unterschied zwischen Hohem und Niedern scheint einen Augenblick lang aufgehoben: alle lachen oder tanzen aneinender, jeder nimmt, was ihm begegnet, leicht auf, und die wechselseitige Frechheit und Freiheit wird durch eine allgemeine gute Laune im Gleichgewicht erhalten. Die Bewegung ist einförmig, der Lärm betäubend, das Ende des Abends unbefriedigend.
Die Berliner haben die Tradition, eine Weltstadt zu vertreten und dem gehen sie entschieden entgegen, indem sie die Sympathie für alle Kulturen fördern und dankbar entgegennehmen und ich möchte  die allgemeine Ideologie der Beatrice vorstellen, die mich in den letzten Tagen bewegt hatte, das deutsche Leben und der nebenan lebenden Parallelgesellschaften und deren Fortschritte, aus den kleinsten Teilen zu einem Ganzen zusammen zu fügen. „Das Zeitalter, in der die topographische Grenze und kulturelle Gewohnheit fortwährend schwindet und mit Hilfe der Technik, hier zum Beispiel: des Internets überwunden werden können, ist tatsächlich ein großer Schritt für das schnelle Zusammenfinden der Gesellschaften und dem kann lediglich ein bejahender Geist mit Dankbarkeit entgegen sehen,“ pflegt Beatrice stets zu sagen und so fand ich die Gelegenheit zu sehen, dass Beatrice etliche Sprachen spricht, beizeiten  typisch demokratisch oder global denkt. Tatsächlich ist die demokratische Geisteshaltung des Deutschen gegenwärtig und zudem ist der Wohlstand des Landes, in dem die Hauptstädter leben und arbeiten, ein entscheidender oder fördernder Faktor, dem sich Niemand entziehen kann und Jenen, die sich dem Reichtum der deutschen Heimat kaum bewusst sind, von allen Seiten aufgedrängt wird.
Die Künste werden gefördert und von der Gemeinschaft  schon im Kindesalter, im Kindergarten gern gesehen. Es existieren große Ausstellungshallen, Ateliers und Häuser, in denen die alte und moderne Kunst ausgestellt ist und für alle offen steht. Dass die Meisten über die gegenwärtige Kunst schimpfen möchten, hat folgende Beweggründe: Es ist nämlich nicht zu übersehen, dass die Kunst durch versuchte Neuerung an Gehalt, an Stil, an Reinheit der Formen und des Geschmacks immer mehr abnimmt. Die Künstler sind aufgestanden, um Andere durch Witz und Laune des Inhalts Beifall zu entlocken. Noch von andren wird ausdrücklich gemeldet, sie hätten sich vorzüglich durch die Geschwindigkeit, mit der sie arbeiten, hervorgetan, diese sind also genötigt dem Ausstudierten, Genauen, Wesentlichen, dem Wohlgeendigten zu entsagen. Ja viele behaupten gar; daß die Zeit gekommen ist, um die gegenwärtige Kunst mit den neuen digitalen Medien zu fördern und als neue Kunstepoche anzusehen.
Die bedeutendste Musik der Hauptstadt und die abendfüllenden Inszenierungen sind nach wie vor das Schauspiel, das Konzert, die Oper und das Ballet. Die Musikliebhaber haben hier ein besonders gutes Aufgebot von Mitarbeitern, die aus allen Gegenden der Erde einfliegen und als Musikanten, Schauspieler, Sänger oder Tänzer ein besonders hohes Niveau auf der Weltbühne geben. Seid den letzten Jahrhunderten und bis heute hat die klassische Musikszene,  alle Tugenden der  Musik beibehalten und kein Stück an stiller Einfalt  oder Erhabenheit  verloren. In der Modeszene wird allerdings folgendes  berichtet. Es heißt, dass dem ansässigen Designer freie Hände gegeben sind und dass die zeitlose Mode zweifellos, einst aus allen Weltkontinenten entnommen, ja im Heute ein Bestandteil des deutschen Alltags ist. Das globale Denken, Handeln und Ausleben ist in Deutschland, ja in ganz Europa angekommen und wird in der deutschen Demokratie beispielthaft ausgelebt. Es muss auch betont sein, dass die Jugend, die Zukunft von Europa ist und es ist tatsächlich eine vorbildhafte Jugend. Die Universitäten sind gut besucht, die Qualtifikationen haben ein fabelhaftes Ansehen und der zweifelslos gute Umgang mit fremden Sitten aus allen Kontinenten, ist für die deutsche Jugend, für den deutschen Alltag ein willkommenes Geschenk, ja die ganze Welt hat sich hier eingeschlichen und gilt als schicke Gewohnheit, als Betonung der eigenen oder angehenden Persönlichkeit.
Für die ansässige Architektur möchte ich weitestgehend einige Sätze hinzufügen. Mit gewöhnungsbedürftigen Plänen geben die vielseitig beschäftigten Architekten  ein neues schemenhaftes Stadtbild  vor, indem sie auf eindrucksvolle Weise, das allgemein gewohnte Stadtbild beibehalten und die Außenfassaden der neuen Behausung an die anstehenden Wohnstätten und Gebäude anpassen. Für frei stehende Gebiete jedoch, die auf Anweisung  der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt werden, sind keine Grenzen gesetzt. Hier kann sich die Phantasie des Gestalters und Architekten ausleben, als Beispiel möchte ich den neuen und imposanten Hauptbahnhof empfehlen, der inmitten eines frei stehenden Feldes, in Stahl und Glas ausgeführt, vielmehr an eine auffallende und fremdartige Erscheinung aus der nahen Zukunft erinnert und Begeisterung bei allen Zuschauern auslöst. Ebenso müssen die Liebhaber der ästhetisch gegenwärtigen Architektur, den neuen deutschen Regierungsviertel besichtigen. Hier ist die Architektur als gutes Abbild der tugendhaften Kunst geltend gemacht und es ist beim Anblick des neuen Regierungsviertels ganz bestimmt bestätigt.
Bis heute, bin ich keinem Bewohner begegnet, der an Kälte, Durst oder Hunger leiden musste. Kleiderspenden, Suppenküchen, Obdachlosenheime sind in allen Stadtteilen gegenwärtig und dies wird von der Stadtverwaltung vehement und kostenlos gefördert. Die Reichen hingegen sind ökonomisch, halten das Vermögen zurück und leben meist im Stillen und nebenan. Es heisst sie seien oft mit allen Schichten in Gesprächen. In dieser genügsamen Hauptstadt ist es deutlich zu sehen und es ist ungünstig enstanden, dass die Deutschen zwar in Wohlstand oder Verschwendung leben und dass es den Deutschen an den wichtigsten Dingen fehlt. Einsame junge oder alte Menschen, die inmitten der Gesellschaft das fortschreitende Leben fristen, sind keine Seltenheit. Sicher ist es ein typischer Aspekt für alle konsumbestimmte Staaten, die Meisten schaffen für sich und nicht für die Gemeinschaft.
Nun noch eine abschließende Bemerkung meinerseits, um den Abschied geben zu können:
In der feuchten, grauen Einöde ist uns allen, als ob der Weltgeist die unsichtbaren Fäden in den Händen hält und aus der Schwerelosigkeit das Schicksal der Stadtbewohner bestimmt. Zuletzt  muss ich, möchte Beatrice allen empfehlen, die deutsche Hauptstadt zu besuchen, denn die Hauptstadt Berlin ist inmitten des europäischen Kontinents, das irdische, das wiedererwachte Paradies, das auch Schattenseiten hat.


 

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